02.03.2021

Hölderlin-Gedenken (3) | frühe Denkmäler

Denkmäler galten lange Zeit großen Herrschern oder Fürsten: zur Repräsentation, Machtdemonstration oder als zeitüberdauerndes Monument ihrer Existenz. Dichterdenkmäler gab es zwar schon in der Antike, jedoch traten sie in ihrer Vielzahl und Breite erst deutlich später, im Zuge der Aufklärung wieder auf. Sie dienten dabei auch der Selbstbestätigung eines sich emanzipierenden Bürgertums.

In einem solchen bürgerlich-nationalen Gedanken wurden 1870 in Lauffen und Bad Homburg erste Hölderlin-Gedenkfeiern abgehalten. Das Interesse war hierbei nicht von landesweitem Ausmaß, wie etwa beim Schillerfest 1859, sondern vor allem auf die beiden Hölderlin-Orte beschränkt. Bei den Feiern in Lauffen und Bad Homburg wurden jeweils die Errichtung eines Denkmals beschlossen. Das Denkmal in Lauffen mit einem Hölderlin-Relief von Ernst Rau wurde 1873 eingeweiht; das Denkmal in Bad Homburg, eine dreiseitige Pyramide aus Rotsandstein (Louis Jacobi) mit einem Relief aus weißem Marmor (Jacob May), wurde aufgrund des Kriegsausbruchs erst 1883 fertiggestellt.
In Tübingen steht ein Denkmal, das der Bildhauer Emmerich Andresen 1871 anfertigte und als Verehrer Hölderlins der Stadt schenkte. Die männliche Akt-Darstellung ist eine Allegorie auf den Genius des Ruhms, der in seiner Rechten einen Lorbeerkranz hielt. Arm und Kranz müssen heutzutage leider imaginiert werden, da beides wiederkehrend dem Vandalismus zum Opfer fiel. Es ist nicht belegt, ob Andresen die Statue ursprünglich überhaupt Hölderlin gewidmet hatte. Erst mit der Aufstellung als Hölderlin-Denkmal 1880 und der Einweihung 1881 verbreitet sie sinnbildlich allein Hölderlins Ruhm.

Maximilian M. Merz
Studentische Hilfskraft der Arbeitsstelle für literarische Museen am Deutschen Literaturarchiv Marbach

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Lauffen (1873): Denkmal im ehemaligen Klostergelände in Lauffen a. N., mit einem Auszug aus Hölderlins ›Der Wanderer‹. Reliefbild von Ernst Rau, hergestellt vom Stuttgarter Kunstgießer Wilhelm Pelargus. (Foto: Robert Kühne)

Lauffen (1873): Denkmal im ehemaligen Klostergelände in Lauffen a. N., mit einem Auszug aus Hölderlins ›Der Wanderer‹. Reliefbild von Ernst Rau, hergestellt vom Stuttgarter Kunstgießer Wilhelm Pelargus. (Foto: Robert Kühne)

Bad Homburg (1883): Pyramide im Kurpark aus Rotsandstein (Louis Jacobi) mit einem Hölderlin-Relief aus weißem Marmor (Jacob May). (© Wikimedia Commons, CC-BY-SA-3.0)

Bad Homburg (1883): Pyramide im Kurpark aus Rotsandstein (Louis Jacobi) mit einem Hölderlin-Relief aus weißem Marmor (Jacob May). (© Wikimedia Commons, CC-BY-SA-3.0)

Tübingen (1881): ›Genius des Ruhms‹ im botanischen Garten von Emmerich Andresen. Sockelinschrift mit einem Gedicht von Robert Hamerling. (Foto: Gudrun de Maddalena)

Tübingen (1881): ›Genius des Ruhms‹ im botanischen Garten von Emmerich Andresen. Sockelinschrift mit einem Gedicht von Robert Hamerling. (Foto: Gudrun de Maddalena)