15.03.2021

Aus der Ausstellung ›Aufbrüche – Abbrüche‹: Hölderlin in der Buchkunst

Die Ausstellung ›Aufbrüche – Abbrüche‹ in der Württembergischen Landesbibliothek ist wieder geöffnet. Sie greift neben biografischen Themen auch zentrale Bereiche der Rezeption auf. Die Wiederentdeckung Hölderlins Anfang des 20. Jahrhunderts verband sich unmittelbar mit der Buchkunstbewegung jener Zeit, die davon geleitet war, das ›schöne Buch‹ wieder zu erschaffen. Sie bezog Handwerk und Künstlertum, Typographie, Illustration und Einbandgestaltung gleichermaßen mit ein. Unter diesem Einfluss entstanden bemerkenswerte Neudrucke von Hölderlins Dichtungen. Das Hölderlin-Archiv besitzt aktuell über 300 künstlerische Bücher und Drucke, die sich auf Leben und Werk des Dichters beziehen. Dazu gehören neben bibliophilen Ausgaben vor allem moderne Künstlerbücher, die im Laufe des 20. Jahrhunderts als eigenständige Kunstwerke an die Seite der bibliophilen Ausgaben traten. Nicht mehr Eigenschaften des ›schönen Buchs‹ waren das Leitmotiv, sondern das individuelle künstlerische Konzept trat in den Vordergrund.

Seit Mitte der 1960er Jahre lässt sich eine erstaunliche Kontinuität und Breite der künstlerischen Rezeption beobachten. Neben Buchkünstlern wie Hermann Rapp und Robert Schwarz, die sich über einen großen Zeitraum mit Hölderlin auseinandersetzten, sind auch international hochrangige Künstler wie Markus Lüpertz zu nennen. Gerade das Offene und Fragmentarische an Hölderlins Werk schuf stetig neue Möglichkeiten einer schöpferischen künstlerischen Aneignung. Zahlreiche Techniken, von der Malerei über Druckgraphiken und Zeichnungen bis hin zu Scherenschnitten, Papiertechniken und Skulpturen fanden hier Anwendung.

Dr. Jörg Ennen
Leiter des Hölderlin-Archivs an der Württembergische Landesbibliothek Stuttgart

Das Begleitbuch zur Ausstellung enthält einen Aufsatz zum Thema sowie eine bibliografische Übersicht aller künstlerischer Bücher und Drucke des Hölderlin-Archivs.

© David Arzt

© David Arzt

© Rafael Glatzel

© Rafael Glatzel

© Rafael Glatzel

© Rafael Glatzel