20.04.2021

Hölderlin-Gedenken (7) | Münzen

In Bad Homburg vor der Höhe gibt es seit 1916 eine numismatische Sammlung. Zu diesem regionalen Münzkabinett gehört auch eine Kollektion von Hölderlinmünzen: Die weltweit einzige öffentliche Sammlung von Prägungen auf Hölderlin. Sie wird kontinuierlich ausgebaut und wurde 1983/84, 2003 und im Sommer 2020 in Ausstellungen gezeigt.

Die ersten Medaillen und Plaketten mit Hölderlin-Motiv sind in den 1930er-Jahren und somit relativ spät entstanden: Der Münchner Bildhauer Maximilian Wittmann fertigte sie auf eigene Initiative (orientiert vor allem an der Wachsbossierung von Wilhelm P. Neubert) und stiftete sie Nürtingen und Tübingen zum Andenken. Er hat auch verschiedenste Hölderlin-Büsten aus unterschiedlichsten Materialien (Bronze, Marmor, Terrakotta) hergestellt. Die wenigen plastischen Darstellungen Hölderlins, die vorher schon existierten und nicht Medaillen oder Plaketten waren, sind klar benennbar: Zum einen entstand zu Lebzeiten Hölderlins die genannte Wachsbossierung (vermutlich nach 1832, weil Neubert seitdem in Tübingen lebte und sie laut Aufschrift »nach dem Leben modelliert« hatte), die als Vorlage für eine Bronzemedaille diente. Zum anderen entstanden Reliefs nach Hiemers Portrait fürs Homburger Hölderlin-Denkmal (Jacob May 1872) und die Gedenktafel über der Tür des Klosteramtshauses in Lauffen (Ernst Rau 1873), das 1923 in die heute noch bestehende Gedenkstätte eingefügt wurde (→ Hölderlin-Gedenken (3) | Frühe Denkmäler).

Im Lauf des 20. Jahrhunderts gab es einige numismatische Darstellungen Hölderlins:
– 1941 in einer Serie von zwölf Abzeichen des Winterhilfswerks (1933–45) mit Portraits württembergischer Persönlichkeiten (Daimler, Dannecker, Hauff, Kepler, Kerner, List, Mörike, Schiller, Silcher, Uhland, Zeppelin); die Darstellung folgt dem Jugendbildnis von 1786,
– 1957 als erste Hölderlin-Plakette der Uni Tübingen von Ivo Becker; Vorlage war das Jugendbildnis von Immanuel Nast (1788),
– 1968 in einer Medaillen-Reihe der DDR auf berühmte Persönlichkeiten, deren Lebensdaten sich in diesem Jahr rundeten (Karl Ferdinand Braun 1850–1918, Bertolt Brecht 1898–1956, Emanuel Lasker 1868–1941, Max von Pettenkofer 1818–1901, Max Reinhardt 1873–1943, Friedrich Schleiermacher 1768–1834, J. Joachim Winckelmann 1717–1768).
Ein privates Vorhaben in Westberlin 1974, das prämierte Münzentwürfe auf Silberfolienprägung publizieren wollte, wurde aus Kostengründen eingestellt. Außerdem wurden und werden in den Hölderlinstädten immer wieder mit und ohne Anlass Hölderlinmedaillen geprägt.

Gut dokumentiert ist ein Wettbewerb im Jahr 1969 zu einer geplanten, aber nicht verausgabten 5-DM-Gedenkmünze zu Hölderlins 200. Geburtstag 1970, ausgelobt vom Bundesminister für Finanzen in Bonn, mit detaillierten Vorschriften für Bild- und Wertseite sowie der Randbeschriftung (auf Vorschlag der Hölderlin-Gesellschaft Tübingen die Zeile »Das Heilige sei mein Wort« aus dem Gedicht ›Wie wenn am Feiertage‹). Den 23 geladenen Künstlern wurden drei Bildnis-Vorlagen zur Verfügung gestellt, neben dem Hiemer-Portrait auch ein Stahlstich (Carl Mayer, Nürnberg), nach einer Zeichnung (Louise Keller) von Hiemers Pastell. Das Preisgericht befand, »dass leider keine Arbeit dem gegebenen Anlaß gerecht wird« und vergab nur einen 3. Preis (Wolfgang Höß) und drei 4. Preise (Herbert Koch, Karl Ulrich Nuss, Dietmar Scharfe). Erst bei der zweiten Ausschreibung mit neun geladenen Künstlern konnten alle Preise vergeben werden (1.: Eberhardt Luttner, 2.: Wolfgang Höß, 3.: Robert Lippl, drei 4. Preise: Karl Ulrich Nuss, Hermann Diesener, Dietmar Scharfe). Die bereits beauftragte Prägung von drei Millionen Stück bei der Staatlichen Münze in Karlsruhe wurde dann aber »[w]egen der angespannten Lage in der Versorgung des Zahlungsverkehrs mit Münzgeld aller Sorten« storniert (auch geplante Luther- und Kepler-Sonderprägung kamen nicht zustande). Allein der Entwurf von Hermann Diesener (einer der drei 4. Preise) fand noch seine Bestimmung: Er diente als Vorlage für die Preisträgerplakette des Homburger Hölderlinpreises.

Der Beitrag basiert auf dem Katalog ›Friedrich Hölderlin im Medaillenbild‹ von Prof. Dr. Barbara Dölemeyer und Rainer Wehrheim zur Ausstellung ›Hölderlin – ein geprägtes Bild‹, die online noch als 3-D-Rundgang besichtigt werden kann.

→ Hölderlin-Gedenken: (1) Straßennamen | (2) Briefmarken | (3) frühe Denkmäler | (4) neuere Denkmäler | (5) Zugnummern | (6) Schützenscheibe | (8) Gebäude und Quartiere | (9) Preise

Die erste numismatische Hölderlin-Abbildung überhaupt von Maximilian Wittmann. Foto: Städtisches Historisches Museum Bad Homburg v. d. Höhe

Die erste numismatische Hölderlin-Abbildung überhaupt von Maximilian Wittmann. Foto: Städtisches Historisches Museum Bad Homburg v. d. Höhe