06.05.2021

Hölderlin-Gedenken (8) | Gebäude und Quartiere

Neben Straßen, Plätzen und Schulen gibt es nicht wenige Gebäude und Wohnquartiere, die sich mit Hölderlins Namen schmücken. Diese durchweg privaten Objekte hat schon vor einigen Jahren Helmut Höge in der taz aufgelistet: ein ›Hölderlin-Carré‹ in Fellbach, ein ›Hölderlin-Quartier‹ in Nürtingen und ein Wohnkomplex ›Hölderlin 2‹ in Essen (vermutlich benannt nach der Lage in der Hölderlinstraße, wie auch das Kulturhaus ›Hölderlin Eins‹ im Stadtteil Kleefeld in Hannover). In Stuttgart ein ›Hölderlin-Hochhaus‹, eine ›Hölderlin-Suite‹ (nicht im gleichnamigen Hochhaus!) und ein ›Hölderlin-Haus‹ in Bad Driburg, in dem das Franz-Xaver-Mayr-Zentrum Fastenkuren anbietet. (Verwirrenderweise gibt es in Überlingen am Bodensee, wo sich Hölderlin ebenfalls kurz aufhielt – er nächtigte im Januar 1801 dort –, auch ein Franz-Xaver-Mayr-Zentrum.)

Während ein Prospekt des Bad Driburger Areals zumindest Hölderlins mehrwöchigen Aufenthalt im Jahr 1796 erwähnt und seine Schilderungen über das dortige Mineralwasser werbewirksam zitiert, scheint die Namensgebung in allen anderen Fällen weniger belastbar. Pars pro toto eine kleine, aber hartnäckige Recherche zum ›Hölderlin-Hochhaus‹ in Stuttgart, die nur wenig zu Tage fördern konnte: Die angrenzende Hölderlinstraße sowie der unweit gelegene Hölderlinplatz wurden 1884 benannt, das Baugesuch für ein ›Wohnhochhaus Hölderlin‹ im August 1954 vorläufig, im Oktober 1956 endgültig genehmigt. Bauherr war ein Fabrikant Eugen Lämmle, ansässig in der Christophstraße, als Architekten finden sich in unterschiedlichen Dokumenten und Quellen die Arbeitsgemeinschaften Hermann Krenz und Ronald Rohn; Karl Schmauder und Hermann Krenz sowie der Name Richard Gottlob Döcker. Weder im Hölderlinarchiv der WLB, noch im Stadtpalais (›Museum für Stuttgart‹) oder im Baurechtsamt konnten Gründe der Namensgebung ›Hölderlin-Hochhaus‹ eruiert werden und im Stadtarchiv gibt die Baurechtsakte nicht einmal einen Hinweis auf den Namen selbst. Vermutlich handelte es sich um eine individuelle Entscheidung des Bauherrn, eine städtisch ausgehandelte Namensgebung wäre mit Sicherheit besser dokumentiert.

Robert Kühne
Projektassistent Hölderlin20/21

Wir danken den Kolleg*innen vom Projekt Miet.Eins.Anders., vom Hölderlinarchiv der WLB, vom Stuttgarter Baurechtsamt, Stadtarchiv sowie Stadtpalais für die Auskünfte und Recherchen.

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Bis auf einen Schriftzug über der Eingangstür gibt es im ganzen Gebäude keine weiteren Hinweise auf Hölderlin. (Foto: Robert Kühne)

Bis auf einen Schriftzug über der Eingangstür gibt es im ganzen Gebäude keine weiteren Hinweise auf Hölderlin. (Foto: Robert Kühne)

Das ›Hölderlin-Hochhaus‹ aus den 1950er-Jahren im Stuttgarter Westen. (Foto: Robert Kühne)

Das ›Hölderlin-Hochhaus‹ aus den 1950er-Jahren im Stuttgarter Westen. (Foto: Robert Kühne)