26.11.2020

Die Geschichte der Bad Homburger Hölderlin-Handschriften

Hölderlin hat sich in Homburg (damals noch kein Kurort) in den Jahren 1798–1800 und 1804–1806 aufgehalten. Die Stadt Bad Homburg vor der Höhe ist Eigentümerin der zweitgrößten Sammlung von Hölderlin-Handschriften. Zu dem Konvolut gehört unter anderem das berühmte ›Homburger Folioheft‹, in dem neben anderen Texten die Gedichte ›Heimkunft‹, ›Brod und Wein‹, ›Die Heimath‹ oder die Hymne ›Patmos‹ enthalten sind. Ein Neffe Friedrich Hölderlins, Friedrich von Breunlin, hat die Manuskripte in den 1850er-Jahren dem Gründer von Stadtbibliothek, Stadtarchiv und Stadtmuseum, Johann Georg Hamel, übergeben.

Johann Georg Hamel (Stadtarchiv Bad Homburg).

In den 1880er-Jahren wurden die Manuskripte neu geordnet und aufgrund zahlreicher Forschungen immer bekannter. Im Bad Homburger Stadtarchiv ist bis heute ein reger Schriftwechsel von Forschenden aus dieser Zeit erhalten. Die häufige Nutzung machte die Einbände der Hefte schon bald erneuerungsbedürftig, sodass der damalige Stadtbibliothekar Rüdiger sie wenige Jahre später nochmals neu binden ließ. Diesmal stellte er drei ›Bücher‹ zusammen: das ›Foliobuch‹, das ›Quartheft‹ und das ›Briefheft‹. Das mehrfache Neubinden führte in den Werkausgaben und in der Hölderlinliteratur zu Verwirrungen und ungenauen Quellenangaben.

1939 wurden die drei gebundenen Hefte aufgelöst, um sie in Originalgröße fotografieren zu lassen. Die für damalige Verhältnisse sehr guten Fotografien genügten in der Regel, sodass die Handschriften von da an selten genutzt wurden.

Nach dem 2. Weltkrieg blieben die Hölderlin-Handschriften zunächst in einem Tresor im Stadtarchiv. Nach mehreren Einbrüchen ins Gebäude entschloss man sich im Januar 1957, die Manuskripte in einen Safe der Kreissparkasse zu überführen.

Im Februar/März 1970 wurden die Handschriften noch einmal öffentlich in einer Ausstellung gezeigt, die sowohl in Bad Homburg als auch im Schiller-Nationalmuseum in Marbach stattfand.
Ebenfalls 1970 bekam das 1941 gegründete Hölderlin-Archiv mit dem Neubau der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart hochmoderne Räumlichkeiten, die den Bad Homburger Stadtbibliothekar Horst Böning beeindruckten. Er führte auf der Jahrestagung der Hölderlin-Gesellschaft 1972 in Tübingen erste Gespräche über eine mögliche Deponierung der Homburger Handschriften im Hölderlin-Archiv – ein Vorhaben, das in Bad Homburg intensiv und durchaus kontrovers diskutiert wurde hinsichtlich bestmöglichem Erhalt der Handschriften und dem Verlust städtischer Identität. Man einigte sich schließlich, dass die Deponierung im Hölderlin-Archiv die beste Lösung sei, um die kostbaren Handschriften dauerhaft zu bewahren. Die Manuskripte wurden 1975 feierlich als Dauerleihgabe an die Württembergische Landesbibliothek übergeben und werden bis heute dort als Depositum gepflegt. Sie sind deshalb weiterhin im Findbuch des Bad Homburger Stadtarchivs verzeichnet.

Die Übergabe der Hölderlin-Handschriften an die Württembergische Landesbibliothek (Stadtarchiv Bad Homburg, v.l.n.r.: Direktor der Landesbibliothek, Dr. Hans Peter Geh, Oberbürgermeister Dr. Armin Klein, Vorsitzender des Kulturausschusses Prof. Dr. Wolfgang Mickel, Stadtbibliothekar Horst Böning und Stadtverordnetenvorsteher Harald Fechtner).

In den vergangenen Jahren wurden die Handschriften der Stuttgarter und der Bad Homburger Bestände in sehr hoher Auflösung digitalisiert und sind nun online frei zugänglich.

Der Text ist eine zusammengefasste und gekürzte Übernahme von Facebook-Beiträgen des Stadtarchivs Bad Homburg v. d. Höhe, verfasst von Astrid Krüger.

 

Die Hölderlin-Handschrift ›Heimkunft‹ [StA 2,96/621].

Die Hölderlin-Handschrift ›Heimkunft‹ [StA 2,96/621].