15.12.2020

Ein Hörspiel vom Künstlerkollektiv ›Die Spielkinder‹ und Charly Hübner

Am 7. Juni des Jahres 1802 überquert Hölderlin die Rheinbrücke bei Kehl; in Stuttgart aber trifft er erst Ende des Monats ein. Was geschah in der Zwischenzeit? Wohin hat er sich in den verlorenen Wochen verloren? Keine Ferndiagnose quer durch die Zeit wird es uns verraten. Seine erfolglose Wiederbelebung der griechischen Götterwelt ist beseelt von allumfassender Harmonie, ohne Widerspruch zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft, seine Liebschaft zu Susette Gontard in der Figur Diotimas so überhöht und veredelt, dass sie keine Entsprechung mehr finden kann in der Wirklichkeit.

›HÖLDERLINS FENSTER‹ erzählt die Geschichte des Scheiterns am eigenen Anspruch eines Ein- und Weggesperrten. Der, durchaus nicht unvermögend und von der lebenspraktischen Mutter für den Pfarrdienst vorgesehen, auf der Suche war nach Sinnstiftung und Verwirklichung revolutionärer Ideen von selbstbestimmter Freiheit und der unter diesen Spannungen litt, die ihn zerrissen und unter denen er schließlich zusammenbrach.

In seinem Turm begegnen ihm in den Fenstern Reflektionen, Flashbacks, Vexierbilder, Spiegelungen, ihm begegnen Besucher, die aus der Zeit und der Wirklichkeit gefallen sind - begleitet vom Zeitgeist, in Dialogen durch die Zeit die Krise des Dichters in der dürftigen Zeit der Krise auszuleuchten, abseits von romantischen Floskeln und literaturhistorischen Mythen.

›HÖLDERLINS FENSTER. Die unmöglichen Begegnungen des Herrn Hofbibliothekars‹ Ein Hörspiel von Hartmut Kasper mit der Musik von Sebastian Maier | Mit Lina, Nils und Till Beckmann (›Die Spielkinder‹), Greta und Uwe Schareck sowie Charly Hübner | ab 18.12. hier erhältlich

Ausschnitte anhören

Nils, Till und Lina Beckmann, Charly Hübner (im Uhrzeigersinn).

Nils, Till und Lina Beckmann, Charly Hübner (im Uhrzeigersinn).