18.12.2020

Nachgefragt: Charly Hübner, Schauspieler und Regisseur

Was war Ihre erste/letzte Begegnung mit Hölderlin?
Die erste Begegnung war, meine ich, im Staatsschauspiel Dresden in den Neunzigern, als ich mir eine Theaterfassung von ›Hyperion‹ angesehen hatte, die mich nachhaltig beeindruckte, neugierig machte, aber noch nicht vollständig entflammte. Ende der Neunziger arbeitete ich mit dem Autor Sören Voima und den Regisseuren Tom Kühnel und Robert Schuster an Sophokles’ ›Antigone‹ und da kamen wir natürlich an der sensationellen Fassung Hölderlins nicht vorbei. Sie ist unermesslich. Voima schrieb seinerzeit eine eigene Fassung und das Fundament seiner Fassung ist natürlich Hölderlin. Jetzt, nach meiner letzten Begegnung mit Hölderlin in der Arbeit zu dem Hörspiel ›Hölderlins Fenster‹, kam eine neue Neugier und Begeisterung für ihn auf und eine neue Beschäftigung mit Hölderlins Texten. ›Der Tod des Empedokles‹ wird der nächste Berg, der zu erklimmen gilt.

Haben Sie ein Lieblingsgedicht/Lieblingszitat von Hölderlin?
Die Elegie ›Brod und Wein‹, mit der wir auch in ›Hölderlins Fenster‹ einsteigen, ist in seiner Sprache und seiner Bildhaftigkeit wirklich sehr poetisch und gerade die Darstellung der Nacht als Zeit des Staunens und des Schwärmens ist toll, weil das Staunen und Begeistern und das Begeistert-Sein für uns Schauspieler ja Grundwerkzeuge sind.

Was haben Sie von Hölderlin gelernt?
Dichter schimmeln nicht, wenn man sie lange liegen lässt und Wahnsinn kann auch etwas Gutes haben, wenn man sich auf die Kunst konzentrieren möchte.


Charly Hübner spielt im Hörspiel ›HÖLDERLINS FENSTER‹ den Kriminologen Ernst Gennat.